Verein oder Club in Schwerin? Einer, der zweimal aufhören musste

Schlaraffia Suerina, Reych Nr. 79, gegründet 1885

Die meisten Vereine in Schwerin lassen sich in einem Satz erklären: Sie tun etwas, wofür es einen Zweck gibt. Sport, Kultur, Ehrenamt, Förderung. Die Suerina fällt aus dieser Ordnung heraus, weil sie nichts außerhalb ihrer selbst verfolgt – sie pflegt Humor, Kunst und Freundschaft, und das ist nicht die Präambel der Satzung, sondern die vollständige Tätigkeitsbeschreibung. Was das wert ist, zeigt weniger eine Beschreibung als die Geschichte dieses Vereins.

1885 – Gründung in einem Restaurant in der Salzstraße

Im Oktober 1885 gaben die Gründer die Entstehung der Suerina in der schlaraffischen Zeitung bekannt. Die erste Burg war das Restaurant Strampfert in der Salzstraße. Im Januar 1887 sippte man erstmals als eigenständiges Reych. 1910 feierte man das 25. Stiftungsfest in der Bürgerressource, 1922 wurde das Goldene Buch angelegt, 1924 die Silberne Laute gestiftet.

1937 – die Auflösung

Am 19. Februar 1937 versammelten sich die Sassen ein letztes Mal, im Restaurant „Zum Freischütz". Das Gruppenfoto dieses Abends existiert noch, mit Namen zu jedem Gesicht. Im selben Jahr wurde der Verein aufgelöst – wie der gesamte Bund Deutscher Schlaraffia unter dem Druck des Nationalsozialismus. Im Schlaraffenpass eines Mitglieds klebt bis heute der Vermerk darüber. Derselbe Mann war nach dem Krieg noch lange Mitglied der Suerina.

1959 – eine Strafverfügung zu Weihnachten

Ab 1947 traf man sich wieder, in der HO-Gaststätte „Theaterklause", die man sich im Petermännchen-Zimmer gemütlich gemacht hatte. Zu Weihnachten 1959 kam eine Strafverfügung ins Haus, und das Sippen im öffentlichen Raum kam zum Erliegen.

Aufgehört hat man trotzdem nicht. In den siebziger und achtziger Jahren traf man sich im Schafstall des Rt Babyfex in Alt-Meteln. Er baute das Nebengelass zur Schlaraffenburg um – zur Niklotveste. Ein Verein, der ein Jahrzehnt lang in einem Stall zu Gast ist, weil es anders nicht geht, hat seine Existenzberechtigung nicht mehr zu beweisen.

1997 – die Wiederaufnahme

Am 19. April 1997 wurde die Suerina wieder in die Allschlaraffia aufgenommen. Die Voraussetzungen dafür hatte vor allem Rt Babyfex geschaffen. Er starb im Dezember 2000, wenige Tage vor seinem 59. Geburtstag. Sein Satz, den das Reych bis heute zitiert, lautete: „Lasst kein Vakuum entstehen."

Wie man heute dazukommt

Nicht auf Antrag. Man kommt als Gast, mehrmals, und stellt in Ruhe fest, ob es passt – in beide Richtungen. Gesippt wird mittwochs um 19 Uhr in der Alten Schule in Warnitz, von Oktober bis April. Der Besuch kostet nichts und verpflichtet zu nichts.

🦉 Reych ist die schlaraffische Bezeichnung für den örtlichen Verein. Schwerin führt die Nummer 79 und den Namen Suerina; die Burg heißt Niklotveste, nach dem Obotritenfürsten Niklot. Die Chronik des Reyches umfasst inzwischen 140 Jahre.

Lernen Sie uns kennen

Ein Gastbesuch ist kostenlos und unverbindlich – der beste Weg, um zu spüren, ob es passt.