Freizeit in Schwerin - ein Abend, der anders ist

Wenn Kino, Kneipe und Couch nicht mehr reichen

Irgendwann kennt man die Abende in Schwerin auswendig. Das eine Lokal, die eine Serie, die immer gleiche Runde. Nicht schlecht - aber auch nicht das, worauf man sich den ganzen Tag freut. Wenn Sie das kennen, sind Sie hier richtig. Denn es gibt in Schwerin einen Abend, der sich anders anfühlt.

Ein Mittwochabend mit 140 Jahren Anlauf

In der Alten Schule von Warnitz, von Oktober bis April.

Schwerin ist die kleinste Landeshauptstadt Deutschlands, hat zwölf Seen im Stadtgebiet und seit Juli 2024 ein Residenzensemble auf der UNESCO-Welterbeliste. An Sehenswertem herrscht kein Mangel. Der Abend, um den es auf dieser Seite geht, findet trotzdem nicht dort statt, sondern in einem alten Schulgebäude im Ortsteil Warnitz - und es gibt ihn, mit zwei Unterbrechungen, seit 1885.

Der Uhutag

Mittwoch heißt bei Schlaraffen Uhutag. Begonnen wird Glock 7 der Abenduhr, also um 19 Uhr, und gesippt wird im Winterhalbjahr von Oktober bis April - den Sommer über ruht das Spiel.

Was an so einem Abend passiert, lässt sich schwer in eine Kategorie pressen. Jemand trägt ein selbst geschriebenes Gedicht vor. Jemand macht Musik. Jemand hält einen Vortrag und wird von einer guten Pointe unterbrochen. Dazwischen wird gegessen, getrunken und vor allem geredet. Was einer beruflich macht, spielt dabei keine Rolle und kommt oft monatelang nicht zur Sprache.

Warum die Burg Niklotveste heißt

Niklot war Fürst der Obotriten und brannte 1160 die Burg auf der Schweriner Schlossinsel nieder, statt sie dem heranrückenden Heinrich dem Löwen zu überlassen. Sein Reiterstandbild steht heute an der Fassade des Schlosses.

Nach ihm haben die Suerinen ihre Burg benannt - und der Name ist mitgewandert. Er hing 1910 über der Bürgerressource, 1937 über dem Restaurant „Zum Freischütz", in den siebziger Jahren über einem Schafstall in Alt-Meteln, später über dem Logenhaus. Seit 2024 hängt er in der Alten Schule in Warnitz. Der Ort wechselt, der Name bleibt.

Eine silberne Laute, die im Tresor liegt

1924 stiftete Rt Peer Gynt die Silberne Laute: einen Wanderpreis für den besten Barden. Wer sie gewinnt, trägt sie ein Jahr lang - aber nur bei Veranstaltungen der Suerina. Die übrige Zeit liegt sie im Tresor.

Das sagt mehr über diese Abende als jede Beschreibung. Hier wird nicht über Kunst geredet, hier wird vorgetragen, gedichtet und gesungen. Und es gibt einen Preis dafür, den seit hundert Jahren dieselbe Laute darstellt.

Als Gast dabei sein

Ein Besuch kostet nichts und verpflichtet zu nichts. Melden Sie sich vorher kurz an, dann erwartet Sie jemand und übersetzt Ihnen die schlaraffische Sprache, solange sie fremd ist. Nach einem Abend wissen Sie ziemlich sicher, ob Sie wiederkommen möchten.

🦉 Das Schweriner Reych heißt Suerina und trägt die Nummer 79. Gegründet wurde es am 17. Oktober 1885; die erste Sippung als eigenständiges Reych fand im Januar 1887 statt.

Ein Abend, an dem der Alltag draußen bleibt

Stellen Sie sich einen Kreis von Männern vor, die sich regelmäßig treffen - nicht um zu reden, wer welchen Wagen fährt, sondern um gemeinsam zu lachen, zuzuhören und ein paar Stunden lang den Ernst des Lebens abzulegen. Kein Handy auf dem Tisch, kein Termindruck, kein Konkurrenzdenken. Stattdessen: ein Gedicht, ein Lied, eine kluge Pointe, ein gutes Gespräch.

Was hier zählt, ist nicht der Beruf und nicht der Kontostand. Ein Handwerker sitzt neben einem Arzt, ein Lehrer neben einem Unternehmer - und nach einer Stunde merkt niemand mehr, wer was „im richtigen Leben" macht. Genau das macht diese Abende so wohltuend anders.

Warum das gerade heute guttut

Vieles in unserer Freizeit ist inzwischen still, allein und vor einem Bildschirm. Man konsumiert, statt teilzunehmen. Ein Abend in echter Gesellschaft - mit Menschen, die einem zuhören und die man wiedersieht - ist dagegen fast ein Luxus geworden. Es ist die Art von Freizeit, die abends nicht müde, sondern reicher macht.

Und das Schöne: Man muss nichts können und nichts mitbringen. Wer mag, trägt selbst etwas bei - wer lieber zuhört, hört zu. Beides ist willkommen.

Was Sie an einem solchen Abend erwartet

Man kommt an, wird herzlich begrüßt und muss sich um nichts kümmern. Der Abend hat einen lockeren roten Faden: mal trägt jemand ein Gedicht vor, mal erklingt Musik, mal wird herzhaft über eine gute Pointe gelacht. Dazwischen bleibt viel Raum für Gespräche - die Art von Gesprächen, die man am nächsten Tag noch im Kopf hat. Niemand drängt, niemand prüft, niemand will Ihnen etwas verkaufen.

Als Gast sind Sie eingeladen, einfach dabei zu sein. Viele beschreiben es hinterher mit demselben Satz: „So einen Abend hatte ich lange nicht mehr." Und genau darum geht es - um Stunden, die aus der Reihe fallen, im besten Sinne.

🦉 Und wie heißt das Ganze? Dieser Abend hat einen Namen: Schlaraffia - ein weltweiter Bund von Männern, die Humor, Kunst und Freundschaft pflegen. In Schwerin gibt es dafür einen eigenen Kreis, der sich regelmäßig trifft.

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