Die Burgen der Suerina

Ein Schlaraffenreych braucht ein Haus. Es nennt es Burg, und wenn es umzieht, nimmt es den Namen mit. Die Suerina hat in hundertvierzig Jahrungen eine ganze Reihe Schweriner Häuser bewohnt — ein Gesellschaftshaus in der Münzstraße, eine Gastwirtschaft am Ziegenmarkt, eine Klause am Theater, einen Stall in einem Dorf westlich der Stadt, eine Schulturnhalle, ein Gewölbekeller unter einem Logenhaus und heute eine alte Dorfschule. Fast jedes dieser Häuser ist auch ohne Schlaraffia ein Stück Schweriner Stadtgeschichte.

Woher der Name Niklotveste kommt

Niklot war Fürst der Obotriten, des slawischen Stammes, auf dessen Burg „Zuarin“ Schwerin zurückgeht. Sein Reiterbild hat der Architekt Friedrich August Stüler beim Schlossumbau zwischen 1843 und 1857 an die Stadtseite des Schweriner Schlosses gesetzt — es gehört zu den Dingen, die jeder Schweriner kennt. Die Suerina nennt sich das Obotritenreych und ihre Burg die Niklotveste. Der Name ist mit dem Reych mitgewandert; ob das Nebengelass in Alt Meteln ihn schon damals trug oder erst rückblickend erhielt, geben die vorliegenden Unterlagen nicht her.

Wechselnde Lokalitäten — ab 1885

In den ersten Jahren nach der Sanktionierung am 17. Lethemond a. U. 26 hatte das Reych keine eigene Burg. Gesippt wurde in wechselnden Lokalitäten der Stadt.

Die „Bürgerressource“ in der Münzstraße — ab 1911

1911 fand die Suerina eine dauerhafte Bleibe im — etwas anrüchigen — Etablissement „Bürgerressource“ in der Münzstraße. Eine Ressource war im neunzehnten Jahrhundert ein Gesellschaftshaus in bürgerlichem Besitz: Säle für Vorträge, Konzerte und Bälle, getragen von einem Kreis zahlender Mitglieder. Viele Vereine haben dort getagt, gesippt und getanzt.

„Zum Freischütz“ am Ziegenmarkt — ab 1920

1920 zog das Reych weiter in die Gastwirtschaft „Zum Freischütz“, Ziegenmarkt 11 in der Schelfstadt. Das Haus gibt es bis heute. Nach der eigenen Chronik des Lokals wurde es um 1903 vom Gastwirt H. Schwenn errichtet, 1988 als Kommissionsgaststätte wieder eröffnet und ist seit 1994 in heutiger Hand.

Zwei Angaben, die man auseinanderhalten muss: Dass die Suerina hier von 1920 bis zum Verbot ihre Blütezeit erlebte, überliefert das Reych. Die Hauschronik der Gastwirtschaft erwähnt die Schlaraffen nicht.

Die „Theaterklause“ — ab 1947

Nach dem Krieg kamen die Freunde bis Ende 1946 gelegentlich in Privaträumen zusammen, ab 1947 wieder regelmäßig zu Vereinsabenden in der „Theaterklause“. In dieses Haus hatte die Suerina zur 1500. Sippung am 15. Lethemond a. U. 90 geladen, mit Gästen aus der Liegowia und einem Bericht in der Schlaraffen-Zeitung. Ende 1959 war damit Schluss: Öffentliche Räume standen den Schlaraffen nicht mehr offen.

Die Heimburg in Alt Meteln — ab 1959

Was folgte, spielte sich in Wohnhäusern ab. Ritter Babyfex der Vielgeliebte baute ein Nebengelass seines Hauses im Dorf Alt Meteln westlich von Schwerin zur Schlaraffenburg um — zur Niklotveste. Diese Heimburg wurde für dreißig Jahre das organisatorische und geistige Zentrum des Reyches; hier feierte die Suerina 1985 ihr hundertjähriges Bestehen. Alt Meteln ist 1284 als „Metle“ erstmals erwähnt.

Die Burg „Thalia“ — nach der Wende

Nach der Wende bezog das Reych eine Burg mit dem Namen „Thalia“. Das Reychsarchiv nennt sie in einem Sippungsbericht, ohne Ort und ohne Zeitraum. Mehr ist dazu bislang nicht zu sagen.

Das Sportgymnasium in der Von-Floto-Straße — Winterung a. U. 136

Zur Winterung a. U. 136 zog die Suerina in das Sportgymnasium in der Von-Floto-Straße. Eine Winterung ist das schlaraffische Halbjahr, in dem gesippt wird; sie reicht vom Lethemond bis zum Ostermond, also von Oktober bis April. Es folgten weitere Notburgen in Gaststätten.

Das Logenhaus — ab der Winterung a. U. 146/147

Ab der Winterung a. U. 146/147 wurde das Reych dauerhaft sesshaft: als Mieter bei den Schweriner Logen, im Kellergewölbe des Logenhauses. Ein Bericht vom 14. August 2009 nennt als Adresse den Schlachtermarkt 17; die Johannisloge Harpokrates zur Morgenröthe, 1809 gestiftet, führt selbst die Schlachterstraße 17 in 19055 Schwerin.

Das Haus ist ein Demmler-Haus. Georg Adolph Demmler, Hofbaumeister und Erbauer des Schlosses und des Rathauses, war seit 1826 Mitglied der Loge; er hat das Haus erworben, seiner Loge geschenkt und die Pläne für den Anbau von 1858 gezeichnet. Der Gewölbekeller, in dem die Suerina später sippte, war zu DDR-Zeiten bis unter die Decke mit Schutt gefüllt und wurde von Hand ausgeräumt.

Die „Alte Schule“ in Warnitz — heute

Heute trägt die Niklotveste die Adresse Bahnhofstraße 2, 19057 Schwerin-Warnitz, in der „Alten Schule“. Warnitz ist seit dem 1. Oktober 1936 Teil der Stadt und 1262 erstmals als „Wernitze“ erwähnt. Gesippt wird hier im Winterhalbjahr allwöchentlich am Mittwoch, dem Uhutag.

Die Reihe in einem Blick

Wie sich diese Häuser in die Geschichte des Reyches einfügen, steht auf der Übersicht der historischen Seiten mit Dokumenten und Fotografien aus dem Archiv der Suerina.

Die Angaben zum Reych stammen aus dem elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchiv, überwiegend aus den Jahrgängen der Deutschen Schlaraffen-Zeitung, sowie von der Uhunetzseite des Reyches; die Angaben zu den Häusern aus öffentlich zugänglichen Quellen. Mehreres ist ausdrücklich offen: In welchem Jahr das Reych vom Logenhaus in die „Alte Schule“ gezogen ist, steht in keiner der vorliegenden Unterlagen — 2009 lag die Burg nachweislich noch im Kellergewölbe. Ob die „Alte Schule“ in der Bahnhofstraße das alte Schulhaus des Dorfes ist, ist nicht belegt und wird hier deshalb nicht behauptet. Zum Gebäude der „Bürgerressource“ in der Münzstraße, zur „Theaterklause“ und zur Burg „Thalia“ ließ sich außerhalb der schlaraffischen Unterlagen nichts nachweisen. Die beiden Adressangaben zum Logenhaus (Schlachtermarkt und Schlachterstraße) stehen so in den Quellen und sind nicht aufgelöst. Wer zu einem dieser Häuser Unterlagen oder Bilder besitzt, möge sich bitte melden.

Zusatzinformationen

Historisches - Übersicht Historie: Kaiserzeit 1885 - 1918 Historie: Zwischen den Weltkriegen 1919 - 1937 Historie: SBZ und DDR 1947 - 1989 Historie: BRD ab 1990 Die Burgen der Suerina Die acht Reyche der Ostgemarkung Die Bullhorniers

Stand dieser Seite: